Wenn ein Denkmal reden könnteNovember 1918; der I. Weltkrieg ging zu Ende. Die Kameraden der Wehr kehrten zurück. Einige jedoch waren im Krieg gefallen. Ihnen wurde ein Gedenkstein vor unserer Feuerwache errichtet. Dieses Denkmal, ein ca. 5,5 Tonnen schwerer Findling, lag damals im Restaurant „Schloss Schönhausen“ und wurde auf einer Holzschleppe, gezogen von 18 Pferden, zur Feuerwache transportiert. Nach der künstlerischen Bearbeitung konnte das Denkmal für unsere gefallenen Kameraden im Juli 1920 feierlich enthüllt werden. Diese Einweihung fand im Beisein von Bezirksamtsmitgliedern statt. Fünf Namen standen auf dem Stein. Die Namen der Feuerwehrkameraden:
Karl Lorenz,
Ernst und Adolf Ebel,
Paul Hoffmann,
Oskar Radde,
Paul Eberhard.
An der Seite befand sich die Aufschrift: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“. So stand dieses Denkmal bis Mai 1945 vor unserer Feuerwache in Niederschönhausen. Da sich über den Namen der Kameraden ein Eisernes Kreuz befand, versuchten die Truppen der Roten Armee nach ihrem Einmarsch in Berlin, den Stein zu zerschlagen. Nachdem dieses nicht gelang, vergruben sie ihn stark beschädigt. In den Wirren nach dem 2. Weltkrieg wurde er so für lange Zeit vergessen. Erst 1975, als das Fundament des Wachgebäudes zur Sanierung freigelegt wurde, entdeckten sie ihn neu. Der Stein wurde ausgegraben und nach Beendigung der Baumaßnahmen bekam er seinen alten Platz zurück. Leider jedoch nur für kurze Zeit. Als die Gasag ein Rohr erneuern wollte, musste er erneut weichen. Diesmal landete er im Hühnerauslauf des Nachbargrundstückes. Für diese Transporte wurden durch die Kameraden, nach dem Prinzip der Wegelagerei, vorbeifahrende Autodrehkräne angehalten. Langjährige Kameraden berichteten noch heute davon, dass einer dieser Kräne unter der Last des Steines fast umgefallen sein soll.
Eine Restaurierung war in diesen Zeiten nicht von politischem Interesse. Die Gründe waren wohl noch die Gleichen wie 1945 und den Kameradinnen und Kameraden fehlten die finanziellen Mittel. Erst im April 1993 konnte der Findling mit der Unterstützung des Technischen Dienstes der Berliner Feuerwehr erneut seinen alten Platz vor der Feuerwache einnehmen. Allerdings noch immer nicht restauriert.
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 Nun begannen umfangreiche Nachforschungen und Befragungen. Wer könnte noch etwas über das Denkmal von 1920 wissen? Wer hat eventuell noch alte Fotografien davon? Leider gabe es keine mehr. Auch die Frage der Finanzierung musste abgesichert werden. Nachdem sich unser Stadtbezirksbürgermeister Herr Dr. Jörg Richter als Sponsor zur Verfügung gestellt hatte, ebenso wie der Diplom-Restaurator Herr Carlo Wloch, der auch im Anschluss die Arbeiten ausführte, wurde der Stein wiederum umgesetzt. Mit erneuter Hilfe des Technischen Dienstes sollte er im Herbst 1996 zur Restauration in die Werkstatt. Dieser Versuch scheiterte letztlich an dem zu großen Feuerwehrkran und der zu kleinen Einfahrt. So gelangte der Stein auf den Ausstellungs- und Lagerplatz des Herrn Carlo Wloch in der Blankenfelder Straße.
Es stellte sich die Frage: „Was nun?“. Die Holzschleppe von 1918 existierte nicht mehr und woher sollte man auch noch 18 Pferde bekommen? Also andere Technik musste her. Auch das Technische Hilfswerk konnte diesmal nicht helfen. Doch dann kam die Rettung in der Not. Nach kurzer Absprache mit der Firma Scholz-Transporte, aus der Buchholzer Straße 62, war der Stein an der erwünschten Stelle in der Werkstatt. Getreu des Mottos der Firma: „Mit Scholz da rollt´s“ kam er, nach der Restauration durch Herrn Carlo Wloch, wohlerhalten durch die gute Zusammenarbeit und Sponsortätigkeit der Firma Scholz-Transporte, vor unserer Feuerwache an. In der Hoffnung, dass er nun seinen endgültigen Platz gefunden hat, wurde das rekonstruierte Denkmal am 14. Juni 1997 anlässlich der Festlichkeiten zur 100 Jahrfeier der Wehr durch den Stadtbezirksbürgermeister von Pankow, Herrn Dr. Jörg Richter, enthüllt. Die Kameradinnen und Kameraden bedanken sich bei allen Sponsoren und Helfern, die uns dieses Ereignis ermöglicht haben. Für uns stellt dieser Gedenkstein einen Stein der Erinnerung dar. Erinnerung nicht nur an die in beiden Kriegen gefallenen, sondern auch an alle verstorbenen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Niederschönhausen. Ihre Namen werden wir stets in Ehren halten.
Aufgeschrieben von Joachim Schröder
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